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Durch solcherlei Subtilitäten ganz
Zersprengen?
NATHAN.
Laß mich! - Meiner Recha wär
Es Wunders nicht genug, daß sie ein Mensch
Gerettet, welchen selbst kein kleines Wunder
Erst retten müssen? Ja, kein kleines Wunder!
Denn wer hat schon gehört, daß Saladin
Je eines Tempelherrn verschont? daß je
Ein Tempelherr von ihm verschont zu werden
Verlangt? gehofft? ihm je für seine Freiheit
Mehr als den ledern Gurt geboten, der
Sein Eisen schleppt; und höchstens seinen Dolch?
RECHA.
Das schließt für mich, mein Vater. - Darum eben
War das kein Tempelherr; er schien es nur. -
Kömmt kein gefangner Tempelherr je anders
Als zum gewissen Tode nach Jerusalem;
Geht keiner in Jerusalem so frei
Umher: wie hätte mich des Nachts freiwillig
Denn einer retten können?
NATHAN.
Sieh! wie sinnreich.
Jetzt, Daja, nimm das Wort. Ich hab es ja
Von dir, daß er gefangen hergeschickt
Ist worden. Ohne Zweifel weißt du mehr.
DAJA.
Nun ja. - So sagt man freilich; - doch man sagt
Zugleich, daß Saladin den Tempelherrn
Begnadigt, weil er seiner Brüder einem,
Den er besonders lieb gehabt, so ähnlich sehe.
Doch da es viele zwanzig Jahre her,
Daß dieser Bruder nicht mehr lebt, - er hieß,
Ich weiß nicht wie; - er blieb, ich weiß nicht wo: -
So klingt das ja so gar - so gar unglaublich,
Daß an der ganzen Sache wohl nichts ist.
NATHAN.
Ei, Daja! Warum wäre denn das so
Unglaublich? Doch wohl nicht - wies wohl geschieht -
Um lieber etwas noch Unglaublichers
Zu glauben? - Warum hätte Saladin,
Der sein Geschwister insgesamt so liebt,
In jüngern Jahren einen Bruder nicht
Noch ganz besonders lieben können? - Pflegen
Sich zwei Gesichter nicht zu ähneln? - Ist
Ein alter Eindruck ein verlorner? - Wirkt
Das Nämliche nicht mehr das Nämliche? -
Seit wenn? - Wo steckt hier das Unglaubliche? -
Ei freilich, weise Daja, wärs für dich
Kein Wunder mehr; und deine Wunder nur
Bedürf
verdienen, will ich sagen, Glauben.
DAJA.
Ihr spottet.
NATHAN.
Weil du meiner spottest. - Doch
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